In der Schule unauffällig, zu Hause der Zusammenbruch. Das ist kein Widerspruch, sondern oft das deutlichste Zeichen überhaupt. Und es kostet dein Kind mehr Kraft, als man von außen sieht.
Es gibt Kinder, bei denen die Schule sagt: „Bei uns ist alles in Ordnung.“ Und zu Hause erlebst du ein Kind, das nach dem Heimkommen explodiert, weint oder sich völlig zurückzieht. Dieser Gegensatz verwirrt viele Eltern und manchmal auch sie selbst: Mache ich zu Hause etwas falsch? Die Antwort ist fast immer nein. Was du erlebst, hat einen Namen: Masking.
Was Masking bedeutet
Masking, auch Camouflaging genannt, beschreibt die Dauer-Anstrengung, „normal“ zu wirken. Ein Kind unterdrückt Tics oder den Drang, sich zu bewegen. Es zwingt sich zu Blickkontakt, der unangenehm ist. Es kopiert, wie andere reden, lachen und reagieren, und lächelt, obwohl es längst überfordert ist. Nach außen funktioniert das erstaunlich gut. Innen läuft den ganzen Tag ein anstrengendes Kontrollprogramm, das kaum jemand sieht.
Warum das so erschöpft
Stell dir vor, du müsstest acht Stunden lang in einer Fremdsprache reden, in der du dir bei jedem Satz unsicher bist, und gleichzeitig die ganze Zeit lächeln. So ungefähr fühlt sich ein maskierter Schultag an. Forschung zeigt, dass Masking mit Erschöpfung, einem höheren Risiko für Angst und Depression und mit späten oder ganz übersehenen Diagnosen verbunden ist.
Das Kind hält sich tagsüber im sicheren Rahmen der Schule zusammen und lässt erst zu Hause, am sichersten Ort, alles heraus. Was Eltern als „Nachmittags-Einsturz“ erleben, ist deshalb kein Zeichen, dass zu Hause etwas schiefläuft. Es ist im Gegenteil ein Vertrauensbeweis: Bei dir darf das Kind endlich aufhören zu schauspielern.
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