Schlagen, schreien, Türen knallen. Aggression macht hilflos und beschämt, und sie löst oft den Reflex aus, härter durchzugreifen. Dabei ist sie fast immer ein Signal, kein Charakterfehler.
Es gibt kaum etwas, das Eltern und auch Pädagog*innen so an ihre Grenzen bringt wie ein Kind, das aggressiv wird. Es trifft die Geschwister, es trifft dich, manchmal sich selbst. Der erste Reflex ist verständlich: härter durchgreifen, Konsequenzen, klare Ansage. Doch bei Kindern ist Aggression meist ein Zeichen von Überlastung und Dysregulation, nicht von „schlechtem Charakter“. Und das verändert, was wirklich hilft.
Der Kinderpsychologe Dr. Ross Greene bringt es auf eine einfache, fast revolutionäre Formel: Kinder verhalten sich gut, wenn sie es können. Tun sie es nicht, fehlt ihnen in diesem Moment eine Fähigkeit, oder ein Bedürfnis ist unerfüllt. Aggression ist dann nicht Boshaftigkeit, sondern der einzige Weg, den ein überfordertes Nervensystem gerade findet.
Verhalten ist die Spitze des Eisbergs
Unter dem sichtbaren Verhalten liegt fast immer etwas anderes. Überreizung, Hunger, Müdigkeit, Angst, Überforderung, das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren, oder die Unfähigkeit, ein Gefühl in Worte zu fassen. Das, was du siehst, das Schlagen oder Schreien, ist nur die Spitze. Der eigentliche Berg liegt darunter, unsichtbar.
Deshalb ist die hilfreiche Frage nicht „Wie stoppe ich dieses Verhalten?“, sondern „Was will mir dieses Verhalten sagen?“. Das klingt nach einem feinen Unterschied, ist aber ein völlig anderer Ausgangspunkt. Die erste Frage führt zu Kampf. Die zweite führt zu Lösung.
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