Foto: Vecteezy

Machen Bildschirme ADHS? Was die Forschung wirklich sagt

  • ADHS entsteht nicht durch Bildschirme: Es ist angeboren und stark vererbbar.
  • Nicht der Bildschirm macht ADHS, das ADHS-Gehirn liebt nur, was der Bildschirm bietet.
  • Was im Alltag hilft: klare Regeln, guter Schlaf und Begleitung statt Verbote.

22. Juni 2026 · 7 Min. Lesezeit · In der App weiterlesen

verstehenroutinen

Kaum eine Sorge taucht in Elternchats und Lehrerzimmern so oft auf wie diese: Zerstören Handys und Tablets die Aufmerksamkeit unserer Kinder, machen sie womöglich sogar ADHS? Dieser Beitrag trennt sauber, was die Wissenschaft belegt, was ein Mythos ist und was du im Alltag wirklich tun kannst.

„Seit das Tablet im Haus ist, kann mein Kind sich gar nicht mehr konzentrieren." Sätze wie dieser fallen oft, und dahinter steckt eine ernst gemeinte Sorge. Gleichzeitig kursiert hartnäckig die Behauptung, Bildschirme seien schuld an ADHS. Beides wird gern in einen Topf geworfen, und genau da beginnt das Missverständnis. Denn die Forschung zeichnet ein klares, aber differenziertes Bild: ADHS und Bildschirmnutzung sind zwei verschiedene Dinge, die man getrennt betrachten muss.

Dieser Artikel richtet sich an Eltern, Pädagog*innen und Fachpersonen. Er beantwortet zwei Fragen ehrlich: Können Bildschirme ADHS auslösen? Und was ist dran an der verbreiteten Angst, Medien würden die Aufmerksamkeit schrumpfen lassen?

Die klare Antwort zuerst: ADHS ist angeboren

ADHS ist eine neurologische Entwicklungsbesonderheit, die von Anfang an angelegt ist. Sie entsteht nicht durch Fernsehen, Tablets oder zu wenig Disziplin. Der wichtigste Beleg dafür ist die Erblichkeit: Zwillingsstudien schätzen sie auf rund 74 Prozent, manche Untersuchungen sogar auf bis zu 80 Prozent. Damit gehört ADHS zu den am stärksten genetisch geprägten Entwicklungsbesonderheiten überhaupt. Bei eineiigen Zwillingen teilen sich beide Geschwister die Merkmale deutlich häufiger als bei zweieiigen.

Im Gehirn zeigen sich Unterschiede vor allem in den Botenstoffen Dopamin und Noradrenalin sowie in den Regelkreisen rund um den präfrontalen Cortex, also jenen Bereich, der Aufmerksamkeit, Impulse und Planung steuert. Diese Unterschiede sind in der frühen Hirnentwicklung angelegt, oft schon vor der Geburt. Anerkannte Umweltfaktoren sind biologischer Natur, etwa Rauchen in der Schwangerschaft, Frühgeburtlichkeit oder ein niedriges Geburtsgewicht. Bildschirme oder Erziehungsstil zählen ausdrücklich nicht dazu.

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