Foto: Vecteezy

Mein Kind will keine Umarmungen und Bussis: warum, und was kann ich tun?

  • Liebe kann man auch ohne Umarmung spüren und zeigen.
  • Wir finden gemeinsam eine Form, die für mein Kind und für mich passt.
  • Kinder, die sich sicher fühlen, kommen irgendwann von selbst.

16. Juni 2026 · 4 Min. Lesezeit · In der App weiterlesen

beziehungverstehen

Viele Eltern kennen diesen Moment: Man möchte einfach drücken, küssen, nah sein. Oma, Opa, Tante, Onkel: Sie meinen es oft gut. Aber wenn das Kind einer Umarmung aus dem Weg geht oder bei einem Bussi zurückweicht, fühlt es sich wie Ablehnung an. Das kann kränken, verunsichern und tut weh. Und es löst oft eine stille Frage aus:

Spürt es überhaupt, dass ich es liebe?

Die Antwort ist ja. Aber es braucht Liebe in einer anderen Sprache.

Warum ist Körpernähe für manche Kinder so schwierig?

Es geht selten um die Umarmung selbst, es geht um alles, was daran unvorhersehbar ist.

Ist die Person gerade warm oder kalt? Riecht sie nach Parfum oder nach einem langen Tag? Wie fest wird der Druck sein? Wie lange dauert es? Kommt danach noch ein Bussi oder nicht? Wird dabei der Rücken gestreichelt oder nur gehalten? Spricht die Person währenddessen und ich höre es ganz laut?

Was für viele Erwachsene Geborgenheit bedeutet, kann für neurodivergente Kinder körperlich unangenehm oder sogar überwältigend sein. Nicht als Ablehnung gemeint, sondern zu viel auf einmal.

Liebe ankommen lassen heißt: die Sprache des Kindes lernen

Das geht in zwei Richtungen.

Was das Kind selbst als Liebe erlebt

Oft sind es die kleinen Dinge, die zeigen: Ich kenne dich. Ich denke an dich. Das Lieblingsessen ohne besonderen Anlass. Die Ruhe, wenn es Ruhe braucht. Verständnis, bevor man erklärt oder korrigiert. Rücksicht auf das, was das Kind stört, zum Beispiel kein starkes Parfum, wenn man weiß, dass es überfordert. Und sagen, was als Nächstes passiert, das gibt Sicherheit, bevor sie danach fragen müssen.

Es muss keine Umarmung sein. Manchmal reicht ein Finger, den man hinhält, und das Kind tippt zurück. Ein Luftbussi, das hin- und hergeht. Eine kleine Geste, die mit der Zeit zu eurer ganz eigenen wird. Solche Rituale entstehen, wenn Eltern und Kind gemeinsam schauen:

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