Tourette ist eines der am meisten missverstandenen neurologischen Phänomene. Dieser Beitrag erklärt, wie das Tourette-Gehirn arbeitet, was im Alltag herausfordernd ist, wie du dein Kind auf Begegnungen vorbereitest und welche Stärken oft übersehen werden.
Die meisten Menschen kennen Tourette nur aus Filmen oder kurzen Clips: jemand ruft unkontrolliert Schimpfwörter, alle lachen, Szene vorbei. Dieses Bild ist nicht nur unvollständig, es ist für die allermeisten Betroffenen schlicht falsch. Tourette ist eine neurologische Besonderheit, mit der etwa eines von 162 Kindern lebt. Bei Buben tritt sie ungefähr drei- bis viermal häufiger auf als bei Mädchen. Hinter den sichtbaren Tics steckt ein Gehirn, das auf eine sehr spezielle Weise arbeitet, und ein Kind, das weit mehr ist als das, was nach außen sichtbar wird.
Wenn du Elternteil, Expert*in oder Pädagog*in bist, hilft dir dieser Beitrag, Tourette von innen heraus zu verstehen. Denn wer versteht, warum ein Tic passiert, reagiert ganz von selbst anders: ruhiger, klarer und mit mehr Respekt.
Drei hartnäckige Mythen, die wir loswerden sollten
Bevor wir ins Gehirn schauen, lohnt es sich, mit drei Annahmen aufzuräumen, die Kindern mit Tourette das Leben unnötig schwer machen.
Mythos 1: Wer Tourette hat, flucht und schimpft. Das unwillkürliche Aussprechen von Schimpfwörtern hat einen Namen, Koprolalie, und es ist die Ausnahme, nicht die Regel. Nur rund 1 von 10 Menschen mit Tourette ist davon betroffen. Die große internationale Studie dazu fand je nach Auswertung Werte um 15 bis 19 Prozent über die gesamte Lebensspanne. Anders gesagt: Die deutliche Mehrheit der Menschen mit Tourette flucht nie unwillkürlich.
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